| Menschenbild |
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M.M. ist der Überzeugung, dass der Weg der Erkenntnis nur über die Sinne führen kann, und dass geistiges Wachstum an die Entwicklung und Vervollkommnung der Sinneswahrnehmung gebunden ist. Das Kind lernt nach einem inneren Bauplan und am leichtesten durch konkrete Tätigkeiten mit konkreten Materialien. M.M. hat mit Hilfe der genauen Beobachtung von Kindern ihre Materialien entwickelt. Ihr Ziel war, durch die praktische Tätigkeit mit diesen Materialien die Sinne und die Motorik zu schulen und zu verfeinern, sowie das Erlernen der Kulturtechniken zu ermöglichen. Die Entwicklungsmaterialien für Sprache und Mathematik unterstützen die Vorgänge des Verstehens, Erkennens und Begreifens. Weiter gibt es Entwicklungsmaterialien zur Sinnesschulung, zur Kosmischen Erziehung und zu Übungen des täglichen Lebens. M.M. versteht Entwicklung als einen in höchstem Maße kreativen Gestaltungsprozess, der ausschließlich vom Kind selbst geleistet wird, den es aber nur leisten kann in Abhängigkeit von und in Auseinandersetzung mit seiner Umwelt. Der Begriff "Sensible Phasen" taucht in der Literatur immer wieder auf. Gemeint sind Zeitspannen, in denen Kinder eine besonders hohe Bereitschaft und Fähigkeit für bestimmte Lerninhalte zeigen. In der modernen Literatur verwendet man für diesen Begriff häufig "optimale Lernzeiten". M.M. entdeckte, dass Kinder unter bestimmten Bedingungen zu anhaltend konzentrierter Beschäftigung fähig und bereit sind. Es unterscheidet sich von der meditativen Selbstversunkenheit und der geistlichen Meditation und wird von M.M. als "Polarisation" der Aufmerksamkeit benannt. Die Arbeit des Kindes spielt in der M.-Pädagogik eine zentrale Rolle. M.M. hat erkannt, dass die intensive Tätigkeit von Kindern auch Arbeit bedeutet, jedoch mit ganz anderen Merkmalen, als für Erwachsene gelten. Typisch für die Arbeit des Kindes sind Freiwilligkeit, freie Wahl der Tätigkeit, häufig großer Kraft- und Zeitaufwand, keine Belohnungserwartung und ein starker innerer Antrieb, selbstständig aktiv zu sein. "Hilf mir, es selbst zu tun!" ist der zentrale Leitsatz M.M. Die Rolle des Lehrers und Erziehers ist geprägt von wohlwollender, liebevoller Begleitung und falls nötig kind- und altersgemäßer Unterstützung. Voraussetzung dafür ist die gezielte und stete Beobachtung der Kinder, ihrer individuellen Stärken und Schwächen, um die Kinder da abholen zu können, wo sie stehen. Um die Eigenaktivität des Kindes auf bestmögliche Weise zu stärken, ist auch die Vorbereitete Umgebung eine notwendige Bedingung. Die vorbereitete Umgebung umfasst den physischen wie psychischen Raum, in dem das Kind die entscheidenden Schritte seines seelischen und geistigen Wachstums vollzieht. In Übereinstimmung mit neuesten Erkenntnissen gelangte M.M. bereits vor mehreren Jahrzehnten zu der Gewissheit, dass echter Lernerfolg nur dann von Dauer und bildender Wirkung ist, wenn das Kind durch aktives Handeln und gemäß seiner sensiblen Phasen Lerninhalte, Lerntempo und Lernverfahren selbst bestimmen kann. Freiheit darf jedoch nicht mit Bindungslosigkeit, Willkür oder Beliebigkeit verwechselt werden. "Dem Kind seinen Willen lassen, das seinen Willen nicht entwickelt hat, heiflt den Sinn der Freiheit verraten!" Der Aufbau eines guten Lern- und Arbeitsverhaltens gelingt nach Auffassung M.M. am besten in einer altersgemischten Gruppe. |

